Arbeitsbericht AIR Český Krumlov
EGON SCHIELE ART CENTRUM
Juni 2026
gemeinsames künstlerisches Projekt
Vor Ort.
Ottilie Großmayer (Bilder) und Barbara Kampas (Texte)
Im Projekt „Vor Ort.“ sammeln und verarbeiten wir Facetten und Eindrücke, die wir an jeweils ausgewählten Orten und Wirkungsstätten gewinnen. Wir greifen erlebte Gegenwart auf, fassen sie in Wort & Bild und gestalten mit diesen Wort-Bildern individuelle Stimmungs- und Ortsportraits, die Einzelgeschehen festhalten, Unscheinbares hervorheben, Ungewohntes würdigen – mit anderen Worten „Lichtblicke“ gewähren und, mitunter mit so manchem Augenzwinkern, Verortungen in Bild und Wort vornehmen. Es entstehen subjektive Deutungen, die ausgehend von der persönlichen Perspektive an neue, erweiterte Perspektiven heranführen.
Geplant ist – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – eine Serie österreichischer wie europäischer „Ortssammlungen“ mit der Intention, künstlerische wie innere Auseinandersetzung zu vermitteln und in den Betrachterinnen/den Betrachtern wiederum eigene Bilder zu kreieren, sodass ein schöpferischer Prozess in Gang gesetzt wird, der, einmal angestoßen, neue Blickwinkel auf Orte, Landschaften, Menschen und nicht zuletzt auf das eigene Sein eröffnet.
Für die Standorte Palermo, Bregenz und Venedig gibt es bereits eine Umsetzung, andere Städte sind vorgesehen – mit dem Zusatz „Fortsetzung folgt“.
Der Aufenthalt in Český Krumlov im Gastatelier des Landes OÖ. ermöglichte eine intensive Auseinandersetzung mit dieser wunderschönen Stadt, die 1992 in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen wurde.
Bilder der Erinnerung an frühere Besuche und auch zwei Gastatelier-Aufenthalte - 2001 und 2010 - tauchten auf. Sie zeigten eine große Veränderung, die stattgefunden hat, sowohl Positives als auch durchaus Negatives fällt auf.
Barbara Kampas schreibt in ihren Texten über Krumau:
„Historische Bauten restauriert, touristisch anvisiert, stilistisch unzensiert. Die Gassen fernöstlich dominiert, …“
„… In Krumau wie in Venedig sind die einstigen, alteingesessenen Geschäfte findigen Andenkenanbietern für gedankenlose Andenkenanbeter gewichen und werden ebenso wie die zahlreichen MiniMarkets in beiden Städten von Chinesen betrieben. In Krumau kann man Glasfiguren aus Venedig kaufen, die wie die meisten Glasfiguren in Venedig aus China stammen. Wie all die Souvenirs, das Plastikspielzeug, die Plüschfiguren, die Kühlschrankmagneten, auf denen der Name der jeweiligen Stadt prangt.
Das also auch eine Folge der Globalisierung.“
Der Charme des Städtchens ist (für mich) dadurch verloren gegangen. Gerade die Patina, das Unvollkommene, Heruntergekommene, das Bröckeln der Fassaden ließen die Geschichte der Stadt wahrhaben, erspüren.
So bildete der „Overtourism“ ein wichtiges Thema meiner künstlerischen Auseinandersetzung. Anstelle einer Serie kleiner Arbeiten zu einem Thema ermöglichte mir die Großräumigkeit des Ateliers ein Format von 95 cm x 240 cm. Für mich mit meiner fein illusionistischen Malweise eine enorme Herausforderung.
Bildfragmente aus dem Alltag - im Kaffeehaus sitzend beobachtet, beim Schlendern durch die Stadt erlebt - wurden neu miteinander verwoben. In einem völlig neuen Kontext wirken sie wie Erinnerungen, die aus dem Gedächtnis auftauchen. Humorvoll, geheimnisvoll, teils auch zynisch entstehen Geschichten, in denen Spannung, Neugier, Unbehagen und Wiedererkennungswert in ein Wechselspiel treten, in denen mehr zu sehen ist als nur das Schöne.
(Eine weitere Serie von Arbeiten zu Krumau, wie beim Ort Bregenz im Format 30 x42 cm in Kombination mit abstrakten geometrischen Elementen folgt.)